Der erste Schritt zum Vertrauen
Ich sehe nur aus wie ein Raubtier
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Der erste Schritt zum Vertrauen

Ein Pferdeflüsterer legt sehr großen Wert auf eine harmonische Weidegesellschaft. Eine mit bedacht ausgewählte Koppelherde gibt ihm Rückschlüsse darauf, wie gesund und psychisch stabil die Pferde sind. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um das Vertrauen jedes einzelnen Tieres zu gewinnen.

Ich sehe nur aus wie ein Raubtier

Ich sehe nur aus wie ein Raubtier

Wenn sich ein fremdes Pferd der Gruppe nähert, gibt es auf beiden Seiten zunächst einmal Unsicherheit. Die Ohren werden aufgerichtet und mit langsamen Schritten, mit weit nach vorn gerichtetem Hals, gehen sie aufeinander zu. Die Nasen berühren sich, um den körpereigenen Geruch wahrzunehmen. Hier wird festgelegt, wie das Gegenüber einzustufen ist.

Das weniger gefestigte Pferd signalisiert eine Reaktion, zum Beispiel mit den Vorderbeinen oder mit einer kurzen Kopfbewegung. Ist die erste Hemmschwelle überschritten, beriechen sie sich am ganzen Körper. Entsteht eine spontane Sympathie, wird sogar die Mähne gekrault. Das Vertrauen ist hergestellt. Der erfahrene Pferdeflüsterer macht sich diese Eigenarten zu Nutze. Mit offenen Körpergesten geht er langsam auf die Gruppe zu und wartet, bis eines der Tiere auf ihn aufmerksam wird. Er drückt damit aus "Ich sehe zwar aus wie ein Raubtier, möchte aber mit euch Freundschaft schließen - ich komme in friedlicher Absicht".

Er ist sehr behutsam und beobachtet genau die Signale, die ein neugierig gewordenes Pferd zeigt. Er pustet sanft in die Nüstern. Das Pferd nimmt den Geruch des Menschenkörpers wahr. Es riecht sein Befinden wie Angst, Mut, Stress, Erregung, innere Festigkeit aber auch Friede und vor allem - das entgegengebrachte Vertrauen. Mit sanften Bewegungen stellt er den ersten Körperkontakt her. Der Kopf, zwischen Nüstern und Ohren, ist für ihn aber tabu. Mit flacher Hand streicht er den Hals ab und sagt damit " ich bin dein Freund, von mir geht nichts Schlimmes aus". Schummeln kann man dabei nicht, denn das Pferd riecht und spürt sofort, hier stimmt was nicht.

Die Ohren sind als Stimmungsbarometer ein sichtbares Zeichen, wie das Tier empfindet. Werden sie in unterschiedliche Richtungen gedreht, ist es verunsichert und weiß nicht, was es davon halten soll. Die angenehme Berührung wird es aber schnell beruhigen. Stück für Stück streicht der Erfahrene den Körper des Pferdes ab. Er imitiert die Begrüssunsgzeremonie auf "pferdisch".

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Julia Berglar

Gruppe:
ReitenOnline
Verfasser:
Julia Berglar
Datum:
24.08.2015