Die Grammatik der Pferdesprache
Vom Abschnauben, Ohrenspiel und Augenrollen
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Die Grammatik der Pferdesprache

Eine ausgeglichene, harmonische Pferdeherde auf der Koppel zeigt dem aufmerksamen Menschen sehr deutlich, wie sie untereinander kommuniziert. Die körpersprachliche Ausdrucksform spielt eine bedeutendere Rolle, als die Lautsprache, die nur eine unterstützende Verständigung darstellt.

Vom Abschnauben, Ohrenspiel und Augenrollen

Vom Abschnauben Ohrenspiel und Augenrollen

Eine ganze Herde wird durch das erregte Schnauben eines Mitgliedes aufmerksam und versetzt die Gruppe in erhöhte Alarmbereitschaft. Kräftiges Abschnauben während der Arbeit zeigt dem Pferdefreund, dass das Tier gelöst mitarbeiten möchte und zufrieden ist.

Nähert man sich als Vertrauter der Koppel ist ein erfreutes Begrüßunggebrummel zu hören. Nüstern und Maul sind ein Hinweis darauf, ob das Pferd verspannt ist oder gelöst, wie es gelaunt ist oder ob es Schmerzen hat. Eine Kolik lässt sich an der Maulpartie ablesen - die Nüstern sind eng verkniffen, das Maul aufeinandergepreßt. Die weit aufgerissenen Augen zeigen Angst. Sie deuten aber auch auf ein mangelndes Vertrauen hin, denn die Augen sind die Spiegel der Seele.

Ruhige, große, runde Augen schauen einen neugierig und interessiert an. Sie gibt es bei einem vertrauensvollen, selbstsicheren Charaktertier, dass gelassen die Ohren beim Dösen hängen lässt. Bei einem ungewohnten Geräusch richten sich die äußerst beweglichen Ohren auf und weisen dem Beobachter die Richtig seines Interesses, während freispielende Ohren ein Zeichen des Mitarbeitens ist. Nach hinten gerichtete Ohren sind ein Ausdruck der Aggression und der Warnung. Auch das Schlagen und Schlenkern mit dem Kopf ist als eine Drohung zu verstehen.

Dabei werden oft noch die Zähne gezeigt, um dem Ausdruck Nachdruck zu verleihen. Bei Auseinandersetzungen wird gerne die angespannte, imponierende Körpersilhouette in die Höhe gerichtet. Pferde benutzen zur Verständigung auch die Beine. Passiert ein Artgenosse ein ranghöheres Herdenmitglied, ohne ausreichenden Abstand, wird eine Hinterhand drohend angehoben. Bei Hengstkämpfen spielen die Vorderbeine eine imponierende Rolle.

Die einzelnen Körperpartien dürfen aber nie isoliert gewertet werden, sondern immer im Kontext zur Situation und zur gesamten Persönlichkeit - Pferd. Diese Verhaltensweisen lernen die Jungtiere nur durch einen intensiven Herdenkontakt, denn nur so wird ein Fundament des arttypischen Verhaltens gelegt. Vom Menschen können viele dieser Verhaltensweisen mehr oder weniger imitiert werden, um sich mit Pferden unterhalten zu können. Es eröffnet sich ein Weg der Verständigung ohne die Hilfe von Ausrüstung oder der Reithilfen.

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Julia Berglar

Gruppe:
ReitenOnline
Verfasser:
Julia Berglar
Datum:
24.08.2015