Hufrehe und das Vitamin B1
Was haben Vitamin-B1-Hemmstoffe mit der Hufrehe zu tun?
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Hufrehe und das Vitamin B1

Man liest sehr viel über das Thema Hufrehe bei Pferden. Jedes Jahr erkranken besonders in den Monaten Mai und September auf.s Neue Pferde daran. Dabei trifft es im September in Deutschland grundsätzlich mehr Pferde als in der Phase des Anweidens im Mai. Zu Beachten ist dabei die Bedeutung der Vitamin-B1-Hemmstoffe.

Was haben Vitamin-B1-Hemmstoffe mit der Hufrehe zu tun?

Das Vitamin B1 oder Thiamin wird im Stoffwechsel aller Lebewesen in das Thiamin-Pyro-Phosphat umgewandelt. In dieser umgewandelten Form sorgt es dafür, dass das zentrale Stoffwechselzwischenprodukt Pyruvat seinen Weg antreten kann, um auf aerobe, also sauerstoffabhängige Weise, in Energie umgewandelt zu werden.

Das ist für Pferde genauso wichtig wie für jedes andere Sauerstoff atmende Lebewesen, denn die meisten höher entwickelten Lebewesen haben nun einmal einen Stoffwechsel, der in erster Linie auf die sauerstoffabhängige Energiegewinnung ausgelegt ist. Es gibt allerdings auch noch einen alternativen Stoffwechselweg, bei dem Schwefel statt Sauerstoff für die Energiegewinnung eine Rolle spielt.

Dieser anaerobe Stoffwechselweg wird eingeschlagen, wenn besonders schnell Energie gebraucht wird oder aber zu wenig Thiamin-Pyro-Phosphat beziehungsweise Vitamin B1 da ist und so der aerobe Weg zu langsam arbeitet. Wenn das passiert, entsteht im Körper des Pferdes viel Laktat, ein Abbauprodukt aus dem anaeroben Stoffwechsel.

Pferde, die zu Hufrehe neigen, haben aber anders als gesunde Pferde, größere Probleme, Laktat schnell wieder abzubauen und erkranken früher an den Folgen. Es erkranken übrigens alle Pferde, wenn Laktat überhand nimmt, nur ist die Toleranz bei den gesunden Tieren höher als bei denen, die leicht Hufrehe bekommen.

In Deutschland sind im September in erster Linie Eicheln und Bucheckern ein Grund für die vermehrt auftretenden Hufrehefälle in diesem Monat, wenn sie auf der Weide oder im Knick ihre Früchte abwerfen oder aber Kinder gut meinend diese Früchte über den Zaun werfen, um die Pferde zu füttern. Es ist die Gerbsäure darin, die diese Früchte so gefährlich macht und das Vitamin B1 im Körper hemmt. Gerbsäure ist aber auch in großen Mengen in frischem Klee enthalten, der sich im Winter in den Boden zurück zieht und im Mai, wenn Pferde angeweidet werden, besonders saftig und grün auf vielen Weiden anzutreffen ist.

Auch die Giftpflanzen Sumpfschachtelhalm oder Adlerfarn zerstören das Vitamin B1 im Körper, allerdings sind sie noch gefährlicher als Gerbsäure, die erst in größeren Mengen gefährlich wird.

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Julia Berglar

Gruppe:
ReitenOnline
Verfasser:
Julia Berglar
Datum:
26.08.2015