Nicht gerne gesehen - die Beißer unter den Pferden
Zum Angstbeißer erzogen
Übersicht

Nicht gerne gesehen - die Beißer unter den Pferden

Beißen ist eine der unschönsten Eigenschaften von Pferden, die wir Menschen mit Quetschungen und schmerzhaften Entzündungen schon oft spüren mussten. Doch diese Variante der Kommunikation hat eine tiefere Ursache, der man gewissenhaft auf den Grund gehen sollte.

Zum Angstbeißer erzogen

Knabbern, beißen und knuddeln gehören genauso zum Entwicklungsprozess eines jungen Pferdes, wie laufen, rennen buckeln oder steigen und das Spielen mit Artgenossen. Junge Fohlen wollen die Welt entdecken.

Neugierig untersuchen sie alles, was sie im Augenblick für interessant halten. Durch ein Beknabbern be-greifen sie regelrecht ihre Umwelt und lernen so Konsistenz, Geschmack oder Geruch ihres Umfeldes kennen. Kann dieser Impuls nicht genügend ausgelebt werden, versucht ein Fohlen seine Bedürfnisse an seinem nächsten Bezugswesen, dem Menschen, zu befriedigen.

Daraus entsteht leicht die Gewohnheit des Beißens. Ein zu frühzeitiges Absetzen von der Mutterstute oder die Aufzucht mit der Flasche kann dazu beitragen, daß der Saugreflex nicht genügend befriedigt wurde. Später versuchen diese Pferde dieses Defizit durch Beißen zu kompensieren. Leckerlis als Lob sollten sehr dosiert eingesetzt werden. Beim Einfangen auf der Weide oder beim Abholen aus der Box erhalten sie die Begrüßungsmöhre und erst beim Absitzen oder am Ende der Longenstunde bekommen sie eine Belohnung.

Viele Besucher im Stall haben die Angewohnheit, Pferde zu füttern. Ein strenges und konsequentes Verbot des Streichelns ins Gesicht von Fremden Personen vermeidet es, daß ein Beißer regelrecht erzogen wird. Der Pferdehalter selbst sollte beim Füttern genau darauf achten, wie die Pferde reagieren. Ranghöhere, meist fressgierige Pferde werden zuerst gefüttert. Bei der Einhaltung der Rangordnung ist dann Ruhe bei der Fütterung.

Der gefüllte Hafertrog steht vor der Box oder dem Weideeingang, aber der Pferdeliebhaber möchte zuerst noch etwas an der Futtertraufe richten. Diese Aktion ist für ein Pferd nicht nachvollziehbar und regt es auf. Wurde ein älteres Pferd gekauft, stellt es sich oft erst nach Wochen heraus: das Tier beißt, obwohl der neue Pferdebesitzer gut mit ihm umgeht.

Eine Handbewegung oder eine andere, unbewusste Geste, die das Tier an frühere Zeiten erinnert, kann der Auslöser zum Angstbeißen sein. Bei solchen Pferden ist sehr viel Geduld und Verständnis die Lösung.

Startseite

Julia Berglar

Gruppe:
ReitenOnline
Verfasser:
Julia Berglar
Datum:
02.09.2015