Vom Kummer und den Sorgen der Pferde
Bei einer engen Zusammenarbeit zeigen die Tiere ihre Sorgen
√úbersicht

Vom Kummer und den Sorgen der Pferde

Unter den Pferden gibt es genauso Individualisten, wie unter uns Menschen. Sie empfinden Freude, Zufriedenheit, aber auch Kummer und Sorgen.

Bei einer engen Zusammenarbeit zeigen die Tiere ihre Sorgen

Pferde unterliegen genauso wie Menschen Stimmungsschwankungen. Sie spüren den geplanten Verkauf oder merken die Veränderungen ihrer Bezugsperson, wenn eine Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten durchgeführt wird. Von Tieren mit einem Stimmungstief kann man natürlicherweise keine große Mitarbeit verlangen.

Der Verlust eines Fohlens, durch den Verkauf oder durch Tod, trifft eine Mutterstute sehr schwer. Oftmals kann beobachtet werden, dass die Stuten dann apathisch am Rande der Herde stehen oder sogar mit körperlichen Problemen zu kämpfen haben. Fatalerweise sind die Diagnosen der Begleiterscheinungen von den Tierärzten lediglich auf eine Lähmung oder auf ein angeschwollenes Bein oder auf eine Kolik fixiert, ohne auf andere Gründe zu achten.

Diese sensiblen Tiere geraten dann leicht in einen Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Andere Pferde fühlen sich mit fünfzehn Jahren zu jung, um in den Ruhestand gesetzt zu werden. Und in der Tat erfahren noch über zwanzigjährige Tiere ihren zweiten Frühling und tragen, dem Alter entsprechen, zu einem produktiven Reitstallbetrieb bei.

So erhalten sie immer noch das Lob, das sie benötigen und die Bestätigung, die sie zu ihrer Anerkennung brauchen. Zu den Sorgenfalten tragen nicht zuletzt auch die Namensgebung bei, denn wer möchte schon "Satan", "Spirit of Fire" oder "Birkader" (übersetzt etwa "Schicksal") heißen?

Der Teufel ist im normalen Schulalltag nicht zu benutzen, der Geist des Feuers nur von wahren Könnern zu bewältigen und das Schicksal geht seinen Weg. Die Ausdrucksformen von Kummer und Sorgen zeigen sich in tränenden Augen, in Sorgenfalten im Gesicht oder in zusammengekniffenen und herunterhängenden Lippen. Koliken, ein schlechter Allgemeinzustand bei genügendem Grundfutter und Verdauungsprobleme weisen ebenso auf Sorgen hin, wie Ekzeme und Fellveränderungen.

Die Fahndung nach den Ursachen ist sehr schwierig und so vielfältig, wie die Sorgen der Tiere. Die einen verlangen nach mehr Zuneigung, die anderen sind in ihren Boxen gelangweilt und benötigen eine sinnvolle Aufgabe, wieder andere mögen "ihren" Menschen nicht.

Geeignete Körperberührungen an Nase oder Rist oder ausgedehnte Spaziergänge schaffen eine Akzeptanz und die Basis einer Kommunikation. In diesem Freiraum, den der Reiter schafft, erhalten die Pferde das sichere Gefühl der Zugehörigkeit.

Startseite

Julia Berglar

Gruppe:
ReitenOnline
Verfasser:
Julia Berglar
Datum:
02.09.2015